IG Metall Cottbus und Südbrandenburg
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20.09.2019, 16:09 Uhr

Workshop Batterie-Recycling

Batterie-Recycling bietet industrielle Perspektive für die Lausitz

  • 30.08.2019
  • Aktuelles

Batterie-Recycling bietet für die Zukunft der Lausitz eine Perspektive für industrielle Arbeitsplätze. Das ist ein Ergebnis einer neuen Studie des IMU-Instituts Berlin in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik. Die Autoren präsentierten am 30. August Zwischenergebnisse in der IG Metall-Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen im IG Metall-Haus in Berlin.

v.l.n.r.: Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen; Gregor Holst und Katrin Nicke, IMU-Institut Berlin, Lutz Reichelt, Ludwig-Bölow-Systemtechnik - Fotos: Christian von Polentz/transitfoto.de

Durch den bis 2038 beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohle steht die Lausitz erneut vor einem tiefgreifenden Strukturwandel, der Gesellschaft, Wirtschaft, Arbeit und Politik gleichermaßen beeinflusst. Gleichzeitig ist in den kommenden Jahrzehnten in Deutschland und Europa mit steigenden Verkehrsanteilen der Elektromobilität zu rechnen. Vor diesem Hintergrund haben die Studienautoren Katrin Nicke, Gregor Holst (beide IMU-Institut Berlin) und Lutz Reichelt (Ludwig-Bölkow-Systemtechnik) in der - von der Otto Brenner Stiftung und der Stiftung Neue Länder geförderten - Studie untersucht, ob die Errichtung einer Recyclingstrecke für Batterien der E-Mobilität eine Perspektive für die Gestaltung des Strukturwandels der Metall- und Elektroindustrie in der Region bietet.

Ergebnis: Die guten infrastrukturellen Voraussetzungen, hohe Forschungs- und Innovationspotenziale sowie das Vorhandensein qualifizierter Arbeitskräfte kann der Lausitz einen Vorteil im Standortwettbewerb sichern. Gelingt es, diese Standortvorteile positiv zu entwickeln, kann das Recycling von Antriebsbatterien einen Baustein dazu beitragen, die Lausitz als zukunftsfähige und nachhaltige Industrie- und Energieregion zu erhalten. Insofern bietet der Aufbau industrieller Batterie-Recyclingkapazitäten „aus ökonomischen, ökologischen und strukturpolitischen Erwägungen eine attraktive Perspektive“, so die Autoren. Sie weisen allerdings auch darauf hin, dass Entwicklung und Aufbau einer solchen Recyclingstrecke kapitalintensiv sind und einen erheblichen zeitlichen Vorlauf haben, sich die Investitionen allerdings erst mittelfristig auszahlen. Aber, so ihr Fazit, „das zu erwartende Wachstum korreliert zeitlich mit dem geplanten Ausstieg aus der Kohleförderung und -verstromung“.

Zu beachten sei aber auch, dass „die Schaffung neuer und hochwertiger Industriearbeitsplätze an die Kriterien guter Arbeit gebunden sein sollten“, erklärten die Autoren bei der Präsentation der Studie. „Um die Zukunftstechnologie Batterierecycling nachhaltig zu verankern und die Akzeptanz für den Strukturwandel zu erhöhen, sollten die in der Region und bei den Beschäftigten vorhandenen Expertisen und Kompetenzen in die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen und Regularien von Technologie, Arbeit und Organisationsabläufen von Anfang an mit einbezogen werden.“

Olivier Höbel, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, erklärte im Anschluss an die Präsentation der ersten Studienergebnisse, dass ein gerechter Strukturwandel und das Ende der Kohleverstromung „Hand in Hand gehen müssen“. Arbeitsplätze und Wertschöpfung dürften nur dann wegfallen, wenn zeitgleich in beiden Bereichen adäquater Ersatz geschaffen werde, sowohl für die Beschäftigten des Braunkohletagebaus und der betroffenen Kohlekraftwerke als auch für die Beschäftigten der direkten Zuliefererbetriebe. Denn „die Menschen brauchen klare und sichere Perspektiven, sonst wenden sie sich von unserem Gemeinwesen enttäuscht ab und verfallen Rechtspopulisten wie der AfD, die einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen geben“, so Olivier Höbel.

Batterie-Recycling könne aus Sicht der IG Metall einen Beitrag zur Gestaltung des Strukturwandels der Metall- und Elektroindustrie in der Region und der Branche leisten. „Die Lausitz hat gute Voraussetzungen den Wandel zu schaffen. Es gibt gut ausgebildete Facharbeiter, es gibt Energienetze und die Infrastruktur, die Energie einzuspeisen sowie freie verfügbare Flächen für Industrieansiedlung“, erklärte Olivier Höbel. „Gefragt ist jetzt beherztes politisches Agieren für die Energieregion Lausitz.“

Hintergrund:
Insgesamt hängen derzeit etwa 2.500 Arbeitsplätze aus dem Bereich der Metall- und Elektroindustrie direkt an der Braunkohle. Im Bereich der IG Metall-Geschäftsstelle Cottbus sind es rund 2.000 Beschäftigte in 19 Betrieben, im Bereich der IG Metall-Geschäftsstelle Südbrandenburg sind es etwa 450 Beschäftigte in drei Betrieben.

Die IG Metall fordert die Stärkung der Lausitz als Industriestandort. Ziel ist es, auf Basis vorhandener Potenziale in gemeinsamem Engagement von Bund, den Ländern Brandenburg und Sachsen, Kommunen und Landkreisen, Sozialpartnern sowie zivilgesellschaften Akteuren eine attraktive und zukunftsgerichtete Wirtschaftsregion mit neuen Wertschöpfungsketten aufzubauen.

Die Studie wird voraussichtlich im Oktober bei der Otto Brenner Stiftung erscheinen und kann dort bestellt werden:


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