IG Metall Cottbus und Südbrandenburg
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25.11.2020, 04:11 Uhr

Formteil- und Schraubenwerk in Finsterwalde

Dreistündiger Warnstreik bei der „Schraube“: „Die Kampfbereitschaft der Belegschaft ist groß.“

  • 13.11.2020
  • Aktuelles

Mit einem dreistündigen Warnstreik hat die Belegschaft des Formteil- und Schraubenwerks in Finsterwalde am Freitag, 13. November, trotz strenger Hygieneauflagen eindrucksvoll für bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung demonstriert. Mit dem gebotenen Mindestabstand und Mund-Nase-Schutz, aber entschlossen und vereint, versammelten sich die Frühschicht von 10.30 bis 12.00 Uhr und die Spätschicht von 12.00 bis 13.30 Uhr vor dem Werkstor, um ihre Forderung nach einem neuen, besseren Haustarifvertrag zu unterstreichen.

Mit Abstand und Maske, aber entschlossen: Die Kolleginnen und Kollegen von der Schraube in Finsterwalde bei ihrem Warnstreik. - Fotos: Volker Wartmann

Paul Rothe, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Cottbus-Südbrandenburg, begrüßt die Warnstreikenden und appeliert an sie, die Einhaltung der strengen Hygienevorschriften zu beachten.

Vorbildlich mit Abstand: Die Politischen Sekretäre Christian Agócs (links) und Jörn Homuth (rechts), der Zweite Bevollmächtigte Paul Rothe (2. von rechts) und der Betriebsratsvorsitzende Heiko Reimschüssel (2. von links).

Metaller Marcus Höhne ist überzeugt: "Investitionen in die Belegschaft sind Investitionen in die Zukunft."

Mit ihrem dreistündigen Warnstreik sendeten die Kolleginnen und Kollegen ein eindeutiges Zeichen Richtung Arbeitgeber.

Paul Rothe und Heiko Reimschüssel demonstrieren mit einem Zollstock, wie groß der Abstand unter den Warnstreikenden mindestens sein sollte.

Das Motto des Tages.

Beim Warnstreik vor dem Werkstor waren die Laune und das Wetter gut.

„Die Leute sind sauer und haben die Schnauze voll“, sagt Heiko Reimschüssel, Metaller und Betriebsratsvorsitzender beim Formteil- und Schraubenwerk. „Es ist an der Zeit, dass wir endlich auch nach Flächentarifvertrag bezahlt werden.“ Die Stimmung in der Belegschaft sei schlecht, so Reimschüssel. „Viele sind nicht nur wegen der geringen Bezahlung und des ständig steigenden Leistungsdrucks bereits abgewandert, sondern auch wegen des schlechten Klimas im Betrieb.“ Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über bessere Arbeitsbedingungen zögen sich bereits mehr als zwei Jahre hin, so Reimschüssel. „Passiert ist in der ganzen Zeit so gut wie nichts.“ Heiko Reimschüssel betont: „Die Kampfbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen ist groß.“

Beim Mutterkonzern Anton Friedberg in Gelsenkirchen werden die Kolleginnen und Kollegen nach Flächentarifvertrag bezahlt, so Betriebsratsvorsitzender Heiko Reimschüssel. „Hier am Standort macht das Unternehmen seit vielen Jahren gute Gewinne. Davon wollen die Kolleginnen und Kollegen endlich auch etwas abhaben. Jetzt sind die Auftragsbücher sogar voller als vor Corona, die Kolleginnen und Kollegen haben sogar an Feiertagen gearbeitet“, sagt Reimschüssel. „Es kann nicht sein, dass es hier im Osten 30 Jahre nach der Wende nicht bald eine Angleichung der Löhne gibt und die Belegschaft immer von den Gewinnen ausgegrenzt wird.“ Mit dem heutigen Warnstreik hätten die Kolleginnen und Kollegen eindrucksvoll gezeigt, dass sie nicht bereit seien, diese Ungleichbehandlung länger hinzunehmen, so Reimschüssel.

„Wir wollen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen einen Haustarifvertrag mit einer dynamischen Regelung und einer schrittweisen Heranführung an den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen“, sagt Paul Rothe, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Cottbus-Südbrandenburg. Im Vergleich zum Flächentariflohn verdienen die Kolleginnen und Kollegen bei der „Schraube“ in Finsterwalde nur 86 Prozent, so Rothe. Außerdem würden in der Fläche vereinbarte Errungenschaften wie beispielsweise Leistungszulagen und der T-ZUG – das tarifliche Zusatzgeld – vom Arbeitgeber in Finsterwalde bisher nicht umgesetzt. „Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit, diese Ungerechtigkeiten länger hinzunehmen“, sagt Paul Rothe. „Ich hoffe, der Arbeitgeber hat nach dem heutigen Warnstreik verstanden, dass er uns in den Verhandlungen endlich entgegenkommen muss.“

Das unterstreicht auch Metaller Marcus Höhne. Er arbeitet als Einrichter in der Kaltpresserei. „Die Schere zwischen unserem Haustarifvertrag und dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Brandenburg geht immer weiter auseinander. Man hat das Gefühl, es geht rückwärts. Andere Firmen in Finsterwalde haben uns bei der Bezahlung mittlerweile abgehängt“, sagt Höhne. „Auf der einen Seite steigen das Arbeitspensum und der Stress seit Jahren, auf der anderen Seite wird der Umgang mit den Mitarbeitern immer schlimmer. Das kann so nicht weitergehen.“ Mit diesem Warnstreik habe die Belegschaft eine große Geschlossenheit gezeigt, so Höhne: „Die Arbeitgeberseite sollte jetzt Einsicht zeigen und einlenken. Investitionen in die Belegschaft sind schließlich Investitionen in die Zukunft.“