IG Metall Cottbus und Südbrandenburg
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27.01.2021, 14:01 Uhr

Formteil- und Schraubenwerk in Finsterwalde

Zweiter Warnstreik innerhalb von zwei Wochen bei der „Schraube“: „Wir machen hier weiter Druck!“

  • 27.11.2020
  • Aktuelles

Mit einem zweiten dreistündigen Warnstreik innerhalb von zwei Wochen hat die Belegschaft des Formteil- und Schraubenwerks in Finsterwalde am Freitag, 27. November, ein weiteres Mal innerhalb kurzer Zeit eindrucksvoll für bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung demonstriert. Zwischen 10.30 Uhr und 13.30 Uhr versammelten sich die Früh- und die Spätschicht vor dem Werkstor, um ihre Forderung nach einem neuen, besseren Haustarifvertrag zu untermauern.

Die Kolleginnen und Kollegen bei der "Schraube" sind weiterhin kampfbereit. - Fotos: Volker Wartmann

Paul Rothe, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Cottbus-Südbrandenburg, stellte klar: "Wir machen hier weiterhin Druck!"

Der Politische Sekretär Christian Agócs ist bereits vor dem Beginn des Warnstreiks aktiv und sprüht das Motto des Tages auf die Straße vor dem Formteil- und Schraubenwerk in Finsterwalde.

Metaller Hagen Lukas zeigt klare Kante: "Wir nehmen diese Ungerechtigkeiten nicht länger hin."

Paul Rothe (rechts) im Gespräch mit dem stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Karl-Heinz Löchel.

Vorbildlich mit Mund-Nase-Bedeckung: das Team der IG Metall-Geschäftsstelle Cottbus-Südbrandenburg.

Fast sinnbildlich: Vor der "Schraube" dominiert die IG Metall.

„Der Arbeitgeber zeigte nach dem ersten Warnstreik vor zwei Wochen keinerlei Reaktion und hat sich seitdem auch nicht bei uns gemeldet, um mit uns zu sprechen“, sagt Paul Rothe, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Cottbus-Südbrandenburg. „Deshalb ist der heutige, zweite Warnstreik die logische Konsequenz. Wenn sich der Arbeitgeber weiterhin keinen Kontakt zu uns aufnimmt und keine Verhandlungsbereitschaft zeigt, ist es gut möglich, dass hier vor Weihnachten noch weitere, vergleichbare Aktionen stattfinden. Wir machen hier weiter Druck!“

„Brandenburg ist bundesweit eh eines der schwächsten Tarifgebiete in Deutschland. Und wir hier in Finsterwalde liegen 27 Jahre nach der Übernahme durch unseren Mutternkonzern August Friedberg aus Gelsenkirchen noch immer nur bei 86 Prozent im Vergleich zum Flächentariflohn“, sagt Metaller und Betriebsratsmitglied Hagen Lukas. Außerdem würden in der Fläche vereinbarte Errungenschaften wie beispielsweise Leistungszulagen und der T-ZUG – das tarifliche Zusatzgeld – vom Arbeitgeber in Finsterwalde nicht umgesetzt, so Lukas. „„Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit, diese Ungerechtigkeiten länger hinzunehmen. Wir wollen endlich einen Haustarifvertrag mit einer schrittweisen Heranführung an den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen.“

„Wir warten hier schon lange genug“, unterstreicht auch der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Karl-Heinz Löchel. „Wir wollen hier keine Krümelkackerei mehr, sondern 30 Jahre nach der Wende endlich eine faire Bezahlung nach Flächentarifvertrag.“ Der Stress und die Verdichtung der Arbeit – Stichwort Mehrmaschinenbedienung – nähmen immer mehr zu, so Löchel. „Trotzdem gibt es für die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr Geld. Das ist nicht länger hinnehmbar. Was mich zudem mächtig wurmt, ist, dass manche Frauen nicht den gleichen Lohn wie die Männer bekommen, auch wenn sie die gleiche Arbeit machen.“

Betriebsrat Hagen Lukas ist nicht nur der „Hinhaltetaktik“ des Arbeitgebers genervt, sondern auch von dessen Forderungen. „Der Arbeitgeber hat uns gestern gesagt, dass er gerne ein 21-Schichten-Modell über sieben Tage fahren möchte“, so Lukas. „Das haben wir als Betriebsrat bereits im vergangenen Jahr klipp und klar abgelehnt: Die Kolleginnen und Kollegen wollen ein freies Wochenende haben. Wir fangen in Gesprächen mit dem Arbeitgeber immer wieder bei Null an.“ Obwohl das Unternehmen am Standort in Finsterwalde viele Aufträge habe und gute Gewinne mache, sage der Arbeitgeber immer, dass kein Geld da sei, so Lukas. „Das ist nicht nachvollziehbar. Der Arbeitgeber muss in die Belegschaft investieren. Nur so kann er sie auf Dauer motivieren und ihr die verdiente Anerkennung zollen.“

Trotz der durch die Corona-Pandemie notwendigen Hygieneschutzmaßnahmen – Mindestabstand mindestens eineinhalb Meter, obligatorischem Mund-Nase-Schutz und Eintrag in eine Anwesenheitsliste – zeigten sich die Kolleginnen und Kollegen auch bei ihrem zweiten Warnstreik innerhalb von 14 Tagen entschlossen und kampfbereit. Die örtliche Polizei kam kurz nach Beginn und kurz vor dem Ende der Veranstaltung vorbei, um die Einhaltung der vorgegebenen Corona-Schutzmaßnahmen zu kontrollieren. Ihr Fazit zur Disziplin der Kolleginnen und Kollegen: „Vorbildlich.“

Metaller Paul Rothe stellte klar: „Nicht nur die Disziplin der Kolleginnen und Kollegen, sondern auch ihre Kampfbereitschaft ist weiterhin groß.“